31.05. – 13.06. 2026

Zum ersten Mal in den Ionischen Inseln machten wir einen Oneway Törn. Wir hatten zwei Wochen Zeit neue Inselorte zu entdecken. Sonja begleitete uns auf dieser Entdeckertour zu den fünf schönsten Inseln und wir liessen auch die Landausflüge nicht zu kurz kommen.
Wenn Highlights einfach dazu gehören
Man kann ja einen Törn so oder so starten; mit einem kurzen oder langen Schlag um die Crew kennen zu lernen und einem „normalen“ griechischen Menü zur kulinarischen Einstimmung. Da wir ja die meisten Crews – und so auch Sonja – schon kennen, fällt der seglerische Test weg. Bleibt nur noch das Kulinarische und da liessen wir uns nicht lumpen: In der Taverna Panorama Notos gingen wir nach 16 Motormeilen vor Anker, liessen das Dinghy zu Wasser und liessen uns den besten Fisch und einen trockenen Rosé auftischen. Schliesslich war heute Sonntag. Ein rundum gelungener Start!

Planänderung
Der Wochenstart begann mit einer Routenänderung. Manchmal ist es einfach gut, einen Plan und Möglichkeiten zu haben, die je nach Windverhältnissen über Bord geworfen werden können. Nachdem wir die grosse Untiefe um das Kap Lefkimmi gerundet hatten, konnten wir das erste Mal auf diesem Törn mit Gross und Fock bei acht Knoten Südwind am Wind segeln. Wir hatten zwar Paxos als nächstes Ziel ausgesucht, aber dann war uns eher nach einer Abkürzung zu Mute und in Paxos sind die Anlegemöglichkeiten meistens beschränkt. Wir riefen Nikos in Syvota an und er hatte tatsächlich einen freien Mooringplatz vor seinem Restaurant und dem herrlichen Strand. Er versprach uns, dass er nächsten Monat (Juli) seinen neuen Steg bekommen werde. Mal schauen, die Bewilligungsverfahren sind in Griechenland offenbar ganz und gar undurchschaubar. Bis dann lagen wir im Päckli und mussten das Dinghy nochmals wassern um an Land zu kommen. Der Sonnenuntergang war wieder mal Extraklasse!

Two Rocks Bay – und was auch noch rockt

Obwohl Südwestwind herrschte, hatten wir für heute die Two Rocks Bay als Ankerplatz ausgelesen. Das war zwar bei SW-Wind nicht gerade ideal, aber da er laut Windfinder gegen Abend ablauen wird, blieben wir dabei. Wir konnten zehn Meilen segeln, zwölf motoren und die Batterien genügend laden. Seit wir die vier neuen Servicebatterien mit insgesamt 480 Ah letzten Sommer eingebaut haben, funktioniert das BMS (Batterie Management System) viel besser. Im Gegensatz zu letzter Woche mussten wir uns heute den Ankerplatz mit sieben anderen Yachten teilen. Aber es hatte immer noch genügend Platz. Nur die Wellen blieben länger als gedacht bestehen und rockten die Yachten, was zwar zur Musik der Felsenbar passte, aber nicht nach dem Geschmack von Seglern ist. Dank unserer Grösse und dem längeren Kiel hielt sich das Geschaukel in Grenzen, im Gegensatz zu den übrigen Booten, die wohl ihr Nachtessen festhalten mussten.

Marina und Hafentag
Nach dieser „Rocknacht“ brachen wir schon um neun Uhr nach Preveza auf. Die Windvorhersage verhiess keinen Wind, aber wir konnten die Hälfte der Strecke von 20 Meilen einen schönen Amwindkurs bei 12-14 Knoten Wind fahren. Gerade richtig für die Lunchpause legten wir in der Marina an. Nach drei Nächten vor Anker konnten wir wieder mal Wäsche machen, einkaufen und ohne Geschaukel schlafen. Eigentlich könnte man günstiger am Stadtquai anlegen, aber erstens war dort ein Ankersalat garantiert und zweitens gibt es dort kaum Ruhe wegen dem Touristenansturm.
Für heute war Regen angesagt. Deshalb entschieden wir uns, einen Hafentag einzuschalten. Der Regen kam zwar nicht – Windfinder, Windy und Ventusky lagen alle zusammen falsch! Das Wolkenspiel war auf jeden Fall einrücklich. Dafür hatte es jede Menge Wind; auch das war nicht angesagt. Wir entdeckten dafür die lauschigen Ecken von Preveza und auch das Shoppen kommt nicht zu kurz.




Brückenpassage mit Adrenalin!
Heute mussten wir wieder einmal die Lefkas Brücke passieren. Sie öffnet respektive dreht sich nach wie vor nur morgens um 07.30 Uhr, mittags und abends um 18 Uhr auf, da sie nach wie vor Grabarbeiten unter dem Kanal (offenbar für eine Wasserleitung) durchführen. Als wir nach einer stündigen Motorfahrt dort ankamen, warteten ungefähr 40 Yachten auf die Öffnung. Das konnte ja heiter werden! Mit dem Chaos, das dann folgte, hatten wir aber nicht gerechnet, da noch etwa gleich viele Boote aus der Gegenrichtung warteten und es zwangsläufig nach der Brücke staute. Dazu wehte ein starker Seitenwind und einige Skipper hupten und schrien aufgeregt. Was normalerweise eine Sache von einer Viertelstunde ist, dauerte ganze drei Viertel Stunden. Wir waren ziemlich gestresst!
Nach diesem Adrenalinschub waren wir reif für einen Ankerhalt mit Lunch und Baden. Um 15 Uhr motorten wir die zehn Meilen bis zur Südecke von Lefkas, bevor uns noch ein schöner Südwestwind empfing, so dass wir noch für die restlichen drei Meilen bis Syvota die Fock setzen konnten. Viola hatte uns einen Platz an ihrem Steg Trocolo reserviert, obwohl heute Flaute herrschte, da die Charterboote zurück in die Marina gefahren waren. Für das Nachtessen wählten wir zur Abwechslung mal die italienische Küche direkt am Wasser und genossen einen gehaltvollen Wein mit Pizza und einem feinen Burratasalat.
Zwei Tage – zwei Inseln
Es war Samstag und für einmal herrschte wenig Verkehr, da die Charteryachten noch nicht unterwegs waren. Der Wind war heute auch nicht unterwegs, weshalb wir unter Motor die 20 Meilen bis Vathi (Is. Ithaka) zurücklegten. Wir ankerten wie üblich in der weiten Bucht vor dem Städtchen.
Die Ankernacht war sehr unruhig. Bis in die Morgenstunden blies es mit Windstärke vier bis fünf aus Nord und demensprechenden Wellen, die gegen das Boot schlugen. Auch die Rückfahrt mit dem Dinghy nach dem Nachtessen verlief nicht ganz trocken. Hinzu kam ein depperter Östereicher, der nur zehn Meter neben uns ankerte, obwohl es genug Platz gehabt hätte und es unsicher war, ob sein Anker nicht slippen würde. Nicht mal am nächsten Morgen zeigte er sich an Deck. Was für eine schlechte Seemannschaft!
Eigentlich wollten wir heute zu Beginn der zweiten Törnwoche nach Poros segeln, da nochmals Nachtwind angesagt war und Fiskardo deshalb ungünstig lag. Doch die neueste Windprognose schwächte sich ab. Die Wolken waberten über die Hügel von Ithaka und wir segelten mit guten drei Windstärken und zwei Reffs im Grosssegel auf diesen wünderschönen Ort der Insel Keffalonia zu. Die Anlegerei mit Landleinen war aber mühsam, da nirgends gute Felsnasen vorhanden waren um die Leinen zu belegen. Wir mühten uns fast eine Stunde ab, bis es endlich klappte. Regi, als unser Leinengirl, brauchte sogar einen Schraubenzieher um verklemmte Leinen klar zu bekommen. Einmal mehr fragten wir uns, weshalb es die Griechen einfach nicht drauf haben, für ihre Segelgäste, von denen sie ja gut leben, eine bessere Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Ein paar Belegringe in den Fels zu treiben, kostet ja auch nicht alle Welt!
Heute Nacht konnten wir wieder mal ruhig schlafen. Wir hatten in Elli’s Restaurant, gleich am Ufer hervorragend gegessen. Die „Skyline“ von Fiskardo abends war beindruckend. Am Morgen mussten wir die Landleinen umhängen, da der Wind von Süden kam.

Am Dienstag kam die Insel Keffalonia an die Reihe. Das Ablegemanöver klappte hervorragend, die Landleinen liessen sich diesmal problemlos von den Steinen lösen, aber wir waren wieder mal die Letzten. Es waren zwar nur 20 Meilen bis Poros, aber wir mussten alles motoren. Spiros, der umtriebige Hafenmeister, der alle Yachten mit Funk herumdirigierte, wies uns in die enge Lücke zwischen zwei Segelyachten ein. Ob wir genug Kette hätten, fragte er uns, um ja nicht einen Ankersalat anzurichten. Wir hatten am Schluss 70 Meter Kette (bei fünf Meter Hafentiefe!) draussen. Schade, dass der Wind erst abends einsetzte, den wir nur noch als Zuschauer in der Felsenbar wahrnehmen konnten.
Eine neue Marina: Pelagia mit Flugbegleitung
Manchmal ist es ja gut, wenn sich die Wind-Apps täuschen. Für heute wäre wieder Flaute angesagt gewesen, aber es kam gottseidank anders. Nach 14 Meilen und der grossräumigen Umfahrung des Südkaps von Keffalonia (>Bild), das offenbar schon einigen Schiffen zum Verhängnis geworden ist, setzte ein regelmässiger Nordwestwind von drei bis fünf Beaufort ein. Zwar mussten wir aufkreuzen, was das Zeugs hält, aber es machte während drei Stunden und 18 Meilen Spass. Die kleine Marina Pelagia hatten wir erst gestern aus dem navily-Führer herausgefunden und bis zum letzten Augenblick und nach der Umfahrung von einigen Felsen, sahen wir den schmalen Hafeneingang. Navionics zeigte nur 2.60 m Tiefe und weniger an, aber der Hafenmeister versicherte uns, dass es reichen würde. Es reichte, obwohl der Tiefenalarm anschlug. Sharif, der hilfreiche Chef, half uns beim Anlegen und wir lagen mit 18 Knoten gegen den Wind sicher mit dicken Mooring- und Heckleinen. Da diese Marina genau unter der Anflugschneide, des drei Kilometer entfernten FLughafens liegt, dröhnten ab und zu Ryanair- und TUI-Mschinen über unsere Köpfe. Morgen werden wir eine Segelpause machen und mieteten gleich am Abend noch ein Auto um nach Argostoli zu kommen. Vor dem Essen, für das wir die exklive Restaurant „Terremouikis“ ausgesucht hatten, wollten Regi und Sonja unbedingt die bekannten und rieisgen Hafenschildkröten zu Gesicht bekommen. Doch wir waren zu spät, es hatte zu viele Wellen und nur ein Exemplar dieser geschützten Garetta-Garetta Spezies streckte für ein paar Sekunden den Kopf raus, so dass die Handyaufnahme kaum der Rede wert war. Profiaufnahmen sind interessanter: youtube-Video 3 min.


Andere Perspektiven
Heute wollten wir Keffalonia mal aus einer anderen Perspektive kennen lernen. Wir fuhren mit dem kleinen Panda, den Sonja sicher um die kurvigen, schmalen Strassen lenkte, über die Insel. Hoch oben entlang der kurvigen Küstenlinie konnten wir immer wieder wunderbare Ausblicke geniessen. Am Mittag waren wir in Assos, das neben Fiskardo als der schönste Ort gilt.
Mit einem Abstecher nach Sami erkundeten wir den Hafen und waren positiv überrascht. Hier werden wir sicherlich mal anlegen. Um 17 Uhr waren wir mit vielen Eindrücken zurück in der Marina Pelagia.
Die letzte Insel: Zakynthos
Heute ging es zur letzten Insel unserer Tour: Die Insel Zakynthos. Aber zuerst machten wir einen Badehalt vor der eindrücklichen Bucht Spatia mit seiner riesigen Sandsteinküste. Um ein Uhr, nach dem Lunch kam wie gerufen der Wind auf und wir segelten gemütlich unter Reacher raumschots Richtung Zakynthos. Eine Gewitterwolke sah bedrohlich aus, aber sie gehört zum Wettergeschehen des Peloponnes, der nur 15 Meilen entfernt ist.
Vor der Insel Zakynthos ist es mit der Gemütlichkeit vorbei, es hatte Böen bis 26 Knoten und wir fragten uns, wie wir wohl in der Bucht von Agios Nikolaos anlegen könnten. Aber Dimitris wies uns einen prima Platz an seinem Pier zu, wir liessen 60 Meter Kette raus und motorten mit viel Gas gegen den Wind an den Quai. Mit viel Fendern links und rechts klappte es super. Zum Apéro gingen wir in Dimitris Restaurant und erholten uns. Wenn man auch bei ihm zum Nachtessen bleibt, ist der Stegplatz sogar gratis. Nicht alle halten sich daran, was schade ist, da Dimitris mit seiner Familie auf sehr sympathische Art hilft und auch das Essen ist hervorragend! Die Bewertungen auf der bekannten Seglerplattform navily sind auf jeden Fall durchaus positiv. Wir werden auf jeden Fall wieder kommen!
Die letzten zehn Meilen bis zum Endpunkt des Törns gingen wir gemütlich an. Anfängliche zehn Knoten Wind liessen uns unter Reacher mit vier Knoten Fahrt auf die Hauptstadt der Insel zugleiten. Dann mussten wir doch noch den Motor zu Hilfe nehmen und um 14 Uhr wies uns Alex, der Operator des YC Zakynthos mit seinem rasenden Motorrad den Anlegeplatz zu. Mit 50 Meter Kette grub sich der Anker im gut haltenden Grund sicher ein. Hier werden wir für drei Nächte bleiben. Strom und Wasser waren inbegriffen und Alex verlangte nur € 130. Das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt sicher, aber bie stürmischen Verhältnissen, möchten wir hier nicht liegen. Schon beim normalen Schönwetterwind von 15-20 Knoten, muss man Springleinen ausbringen und immer aufpassen, dass nachfolgende Boote ihren Anker nicht über die eigene Kette legen. Erst abends konnten wir in die Stadt gehen, als sicher war, dass alle ihre Liegeplätze eingenommen hatten. Die Marina auf der anderen Hafenseite, wo man sicher mit Mooringleinen und Infrastruktur wie WCs und Duschen anlegen könnte, harrt seit 20 Jahren auf ihre Fertigstellung. (!)
Wir hatten in diesen zwei Wochen 230 Seemeilen zurück gelegt, wovon wir ganze 89 Meilen segeln konnten und nur 110 L Diesel verbraucht hatten. Sonja wird uns morgen verlassen und wir werden eine Woche alleine an Bord verbringen, bevor wir mit Klaus und Felix die Rückfahrt nah Korfu beginnen.















