21.06. – 03.07. 2026

Wir hatten zwei Wochen Zeit um die Sarabella von Zakynthos zurück in unseren Heimathafen Korfu zu segeln. Für diese Reise kamen unsere altbekannten Brüder Klaus und Felix an Bord. Einige Male mussten wir die Planung auf den Kopf stellen, da der Wind uns einen Streich spielte. Dafür kamen dann Landausflüge zum Zug, was der Mannschaft sehr passte.
Gehen oder bleiben?
Am Sonntagmittag kamen Klaus und Felix an Bord. Die Sommerhitze von 30 Grad empfanden sie als angenehm, zu Hause in Frankfurt war es noch wärmer (36 Grad). „Sollen wir gleich ablegen, oder wollt ihr noch die Insel erkunden?“, war unsere erste Frage. Möglich wäre es gewesen, sie waren schon so viele Male an Bord, dass das Koffer auspacken eine Sache von einer viertel Stunde war. Aber da der Wind heute Mangelware war, fiel die Entscheidung nicht schwer. Sie mieteten erst mal ein Auto und machten die ähnliche Inseltour, die wir vor zwei Tagen gemacht hatten und waren begeistert von der üppigen Natur und kauften das begehrte Olivenöl, der Exportschlager auf Zakynthos. (>OLIVY) Auch den Besuch der berühmten Shipwreck Coast mit seiner besonderen Geschichte liessen Klaus und Felix nicht aus. Abends assen wir in einer der vielen Hafentavernen: Mussaka und Lamm im Ofen. „Good choice“ sagte die nette Bedienung; na ja, das sagen sie immer, aber es stimmte sogar!

Ein gelungener Wochenstart
So muss ein Törn beginnen: Kaum aus dem Hafen (ohne Ankersalat!) konnten wir die Segel setzen und mit zehn Knoten NW-Wind aufkreuzen. Klaus genoss die ersten Schläge. Nach zwölf Meilen schlief der Wind ein und wir machten kurz vor dem Ziel noch einen Bade- und Lunchhalt. Um 16 Uhr riefen wir über Funk den Hafenpier von Dimitrios auf und er wies uns den (reservierten) Platz zu. Im Gegensatz zum letzten Anlagemanöver vor zwei Wochen mit 20 Knoten Seitenwind, war es heute ein Kinderspiel. Klar gingen wir in Dimitrios Taverne „Porto“ für den Apéro und das Abendessen und klar war der Anlegeplatz mit Strom und Wasser dafür gratis. Katherina, die äusserst herzliche Wirtefrau spendierte uns sogar eine Runde Getränke.
Blue Caves und die nächste Insel
Man soll ja nicht immer gleich zur nächsten Insel segeln. Deshalb machten wir am Morgen eine stündige „Blue Caves“ Tour mit einem Guide, der unser kleines Motorboot zusammen mit einem dänischen Paar führte. Diese Höhlen sind wirklich speziell, in Jahrtausenden von Wind und Wellen ausgehölt und ein Publikumsmagnet. Ein paar Mal fuhr unser Führer ganz in die Höhlen rein, wo man die Lichtspiele der Wasserreflexionen beobachten konnte.

Um elf Uhr segelten wir dann los, machten an der Südspitze von Keffalonia einen Ankerhalt und warteten auf den Wind. Der kam um zwei Uhr wie gerufen und wir konnten die letzten Meilen bis Poros fast alles segeln. „You should find a space, I’m not here today“, schrieb Spiros, der Hafenmeister, der normalerweise alle Yachten herumdirigierte und auch für die letzten noch ein Plätzchen fand. Es hatte Platz und das Chaos hielt sich in Grenzen. Am kleinen idyllischen Strand kühlten wir zuerst den Körper ab und in der Felsenbar die Kehle. Für das Nachtessen standen etliche Restaurants zur Auswahl. Vor drei Wochen hatten wir das „Romantica“ mit romantischem Sonnenuntergang ausgewählt, nur war das Essen alles andere als romantisch. Diesmal wählten wir pragmatischer („To Spitsio“, ohne Sonnenuntergang), dafür war das Essen ausgezeichnet.
Das Highlight – endlich mal Delphine!
So flach und windlos hatten wir das Meer selten gesehen. Und das war ein Glücksfall, denn kurz nach dem Auslaufen von Poros besuchte uns eine Delfinfamilie und Regi konnte ganz tolle Aufnahmen machen. Um zwei Uhr bogen wir in die Bucht Andisamos (bei Sami) ein und ankerten auf acht Meter Tiefe und gut haltendem Sand. Wir konnten trotz Schliessung um sieben Uhr abends im Strandrestaurant noch ein Nachtessen kriegen. Die Leute waren sehr zuvorkommend, gesprächig und Calamari und der Octopus waren einsame Klasse! Wo in der Schweiz kann man bei Restaurantschluss noch was bekommen.


Der Drei-Inseltag
Heute wollten wir Fiskardo auf Kefalonia anlaufen. Aber der Wind diktierte eine andere Route. Wir segelten um Ithaka, machten einen langen Ankerhalt in der Filliato Bucht und warten bis vier Uhr auf den Wind. Da wir einen Platz am Steg in Syvota (Levkas) reserviert hatten, waren wir nicht in Eile. Kaum sind wir aus dem Windschatten von Ithaka, weht ein schöner Nordwestwind, der uns schnell nach Lefkas bringt. Um sieben Uhr legten wir am Steg Trocolo an, wo wir schon alte Bekannte sind. Heute hatten wir drei Inseln „geschafft“, 15 Meilen auf der Logge und zehn davon gesegelt. Die Crew war mit diesem Segeltag sehr zufrieden!

Die zweite Autotour
Heute gab es keine Segelmeilen sondern nur Autokilometer. Wir mieteten für Mittag wieder ein Auto und machten zuerst maleinen Lunchhalt in der Taverna von Greco Levante, bestaunten die hohe Felsküste von oben, badeten kurz an einem der vielen Strände und wurden in dem Bergort Karya von der authentischen Dorfatmosphäre unter den hunderjährigen Plantanen überrascht und wo es im Winter manchmal sogar schneien kann. Der ewig fliessende Quellbrunnen macht den Ort berühmt. Weiter gings auf einem abenteuerlichen, mit Büschen überwachsenen Strasse zum verlassenen Kloster Agios Asomati, aber die Ambiente der Ruinen aus dem Jahr 1878 mit dem Glockenturm und dem mystischen Garten hatte sich gelohnt, obwohl wir bei der Rückfahrt fast in einem Schlagloch der Strasse stecken blieben und auststeigen mussten. Den viel gerühmten Sonnenuntergang auf einer Terasse der vielen Sunset Tavernen mussten wir vergessen, weil Gewitterwolken das Spektakel verhinderten. Am nächsten Tag erfuhren wir, dass dieses Gewitter auf der Nachbarinsel Kastos einige Schäden an Yachten angerichtet hatte. Wir waren um neun Uhr abends, erschöpft von den vielen Eindrücken, wieder auf der Sarabella. Morgen wird es weiter Richtung Korfu weitergehen.


Zurück in die Zivilisation
Es sah nach einem easy-peasy Segeltag aus, bis wir zur Südspitze von Meganisi kamen. In weiser Voraussicht schaute ich durchs Fernglas und sagte zur Crew „Ups, da kommt was auf uns zu“ und refften gerade noch rechtzeitig das Grosssegel. Und dann hatte es innerhalb von Minuten Windstärke sechs. Bei der ersten Hammerbö lief die Sarabella sogar aus dem Ruder. Nach einer Stunde war der Spuk vorbei, aber zwischendurch drangen nochmals kräftige Ostwind-Böen vom Festland her hinüber. Um 15 Uhr ankerten wir in der Bucht von Atherinos, gleich vor dem Restaurant Niagas, bekannt für sein gutes Essen. Wir assen tollen Fisch und Ratatoulle Gemüse. Abends machten wir noch ein Verdauungsspaziergang hoch zu der Bar „Acro“ und hatten einen eindrücklichen Rundblick über die Bucht und die restlichen Inseln.
Am nächsten Tag hatte uns dann die Zivilisation endgültig zurück. Wir konnten nochmals entpannt fünf Meilen bis zur Einfahrt in den Lefkas-Kanal segeln und legten dann um 19 Uhr in der Marina an; für einmal ohne ankern zu müssen oder mit dem Beiboot an Land zu rudern oder den E-Aussenborder anwerfen zu müssen. In der Stadt speisten wir im „Nautilus„, wo wir seit Jahren so bekannt sind, dass wir vom Chef und seiner hübschen Tochter Elli persönlich empfangen werden. Diesmal musste Regi den Wirt bitten, ihr diesmal kein Geschirr zu schenken; eine alte Geschichte, die schon vor zehn Jahren ihren Ursprung hatte.
Vollmond: Immer für Überraschungen gut
Zum letzten Mal vor der Sommerpause passierten wir die Lefkas Brücke. Diesmal gnädigerweise um zehn Uhr statt um 07.30 Uhr, als sie noch Bauarbeiten durchführten. Vor Preveza, wo gewöhnlich morgens ein leichter Ostwind die Festlandküste hinauf bläst, schnellte er unaufhörlich hoch bis auf 27 Knoten. Das Reffen des Grosssegels genügte schnell mal nicht mehr, die Fock alleine trieb uns mit sieben bis acht Knoten Richtung Ziel. Aber fünf Meilen vor der Two Rocks Bay fiel er plötzlich ganz zusammen und wir motoren den Rest. In dieser beliebten Bucht hatte es ungefähr zehn Yachten und wir mussten sorgfältig ankern, damit wir niemandem zu nahe kamen. Es klappte erst beim zweiten Mal. Und dann ging um 21.10 Uhr der Fast-Vollmond hinter diesen zwei Felsen auf, was wegen seiner Grösse spektakulär aussah. Es sollte ein Omen sein, was uns noch bevorstand; auch spektakulär, aber von der Furcht einflössenden Art.


Am nächsten Tag, dem Vollmondtag, schauten wir die Gewittersituation genau an. Und tatsächlich, um vier Uhr nachmittags waren einige Gewitterherde auf windy.com angesagt. Da die Reservation mit Paxos nicht klappte und wir uns bei dieser Wetterlage auf keine Unsicherheiten einlassen wollten, reservierten wir einen sicheren Platz in der Marina von Plataria. Doch das Gewitter kam früher und das war vielleicht unser Glück. Denn wenn wir bei diesen Bedingungen im Hafen hätten anlegen müssen, waren Schäden garantiert gewesen. So warteten wir in der Bucht, stemmten mit Gas die Nase gegen den Sturm und suchten Wellenschutz an den Hügeln vor Plataria. Danach war der Regen durch und der Wind weg und das Anlegen hätte ein Kinderspiel sein sollen, wenn der blöde Retourgang funktioniert hätte. So wurde aus dem Anlegemanöver eine nervöse Sache mit längsseits gehen an der Mole und dem Einfangen einer Schramme, da wir nicht bremsen konnten. Den Grund für den Getreibeausfall fanden wir erst morgen.

Fehlersuche und Informationen
Wir waren nach einer kurzen Fahrt von Plataria an unserem Liebelingsort gelandet, Karvouno Beach. Um 14 Uhr waren erst drei Boote hier, am Abend war alles voll. Nikos hatte hundert Mooringleinen ausgelegt, da sein Steg immer noch nicht da war. Und dann kümmerte ich mich um den Ausfall des Retourgangs, telephonierte mit Yanmar und dem Propellerhersteller.
Nach dem Tauchen war alles klar: Der Drehflügelpropeller war blockiert und man konnte deshalb nicht auf die Schnelle den Retourgang einlegen. Wir werden morgen meinen Originalprop, den ich fünf Jahre gehütet hatte, vom Taucher einsetzen lassen, damit wir noch nächste Woche segeln können. Fazit: Lesson learned: Man sollte immer zuerst tauchen. Alle Spekulationen (möglicher Getriebeschaden, Kabelzug defekt, Ölverlust) hätte ich mir ersparen können.
Vier Stunden später liefen wir in die Gouvia Marina ein. Obwohl wir einen Tag früher als geplant angekommen waren, waren Klaus und Felix sehr zufrieden mit dem Törn. Es hatte einen guten Mix aus Segeln, Ausruhen und Landausflügen gegeben. Wir hatten 200 Seemeilen zurückgelegt und hatten immerhin 87 davon segeln können. Für einen Sommertörn ist das ein gutes Fazit!

Nachtrag: Am Freitag wurde der verklemmte Propeller demontiert und mein Ersatzprop eingesetzt. Den hatte ich fünf Jahre lang gehütet und war froh in an Bord zu haben. Der Taucher brauchte mehr als eine Stunde, da ihnen einiges an Werkzeug fehlte. Am Samstag kamen dann auch noch die korrodierten Solarpanels dran. In Diskussion mit den Elektrikern, die viele solche Installationen machen, sahen sie als Ursache für die relativ kurze Lebenszeit der Panels die hohen Temperaturen des Flexiteek. Wir massen 65 Grad an Deck und 54 Grad auf den Panels im Off-Zustand.











