Unser Meilentörn

24. Juni – 01. Juli 2023 PDF-Version

Für einmal kombinierten wir Meilensegeln mit Genusssegeln und planten nach den Familienwochen in sieben Tagen von Alghero bis Olbia zu gelangen. Monika und Martin wollten Erfahrungen sammeln für ihren Hochseeschein und wir neue Ankerplätze kennen lernen. Dank ausgezeichneten Windverhältnissen kamen beide Seiten voll auf ihre Rechnung. Lediglich am Törnende blockierte uns ein Sturm in der Marina Olbia.


Eine neue Ankerbucht

Was ist der Unterschied zwischen Genusssegeln und Ausbildung? Nun, die Crew muss erst mal die Bedienung der Segel kennen lernen. Mit unserem zusätzlichen Reacher-Vorsegel wurden Monika und Martin schon mal vor neue Herausforderungen gestellt, obwohl sie schon Törns auf Charteryachten hinter sich hatten. Auch die Bedienung des Grossegels mit seinen zwei Schoten und der Selbstwendefock waren Neuland. Überrascht waren sie, wie agil diese Hanse auf Steuerkorrekturen reagierte. Schnell mal zeigt sich auch, wie korrekter Segeltrimm markante Geschwindigkeitszunahmen brachte.

Monika, zum ersten Mal am Steuer
Martin fühlt sich wohl am Steuer
Der Track vom ersten Segeltag: Alghero-Ankerbucht vor Stintino.

Zum Abschluss des Tages galt es, noch die schmale Fornelli-Passage, die nur vier Meter tief und dreissig Meter breit war, zu durchfahren. Man musste genau mit 71 Grad in die Durchfahrt einfahren und die zwei Peilobjekte (ein Steinturm und eine Boje) in Linie halten. Nach 300 Metern bog man auf 121 Grad ab und fuhr in Linie mit dem zweiten Peilobjekt im Heck. Martin peilte mit dem Handkompass, gab die Steuerkurse durch und Monika beobachtete die Wassertiefen. Natürlich diente die digitale Plotteranzeige als Sicherheit, aber GPS-Signale können auch in unserer Zeit durchaus zehn Meter daneben liegen, aber das war in dieser Situation schon zu viel.
Um 17 Uhr setzten wir nach 45 ereignisreichen Meilen den Anker in der weitläufigen Bucht von Cala di Pesca vor Stintino. Martin packte seine Drohne aus und fotographierte zum ersten Mal die Sarabella aus der Vogelperspektive.

Die Fornelli Passage muss genau durchfahren werden!
Wir ankern vor Stintino in glasklarem Wasser!

Castelsardo – Die Hügelstadt

Gelingt der erste Segeltag, ist das immer schon ein gutes Zeichen. Immerhin hatten wir gestern von 45 Meilen deren 31 unter Segel zurückgelegt. Und es sollte so weitergehen: Schon beim Aufankern bliess es mit Windstärke drei und es sollte noch besser werden. Kaum hatten wir die Verkehrsstrasse des Fährhafens Porto Torres durchquert, drehte der Wind auf fünf Beaufort auf. Es war nicht einmal nötig, das Grosssegel zu setzen, der Reacher alleine brachte schon acht Knoten Speed. Nach dreissig Meilen unter Segel starteten wir den Motor für die Einfahrt in den Hafen, wo ich zur Demonstration selber in den freien Mooringplatz einfuhr. Morgen wird Martin rausfahren müssen.
Marinas mögen wohl praktisch sein, aber meistens liegen sie ausserhalb der Ortschaft und Castelsardo ist eine der Kleinstädte, die man auf keinen Fall auslassen sollte. Der Hafenführer schreibt: „Castelsardo ist ein entzückender alter Fischerort, der sich treppenförmig das Kap hinaufzieht. Steile Gassen führen zur Burg auf dem Gipfel. Es diente zur Verteidigung gegen die Sarazenen.“

Die Altstadt von Castelsardo
Das 600 Jahre alte Castello

Ablegen und Anlegen – eine Kunst für sich

Es stimmt schon: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Als Martin das Ablegemanvöver im Hafen von Castelsardo steuern musste, verklemmte der Knoten an der Mooring und schon vertrieb der Bug nach Lee hin zum Nachbarboot. Dank Monikas schnellem Fendereinsatz blieb das Ganze ohne Schaden und gelang beim zweiten Anlauf unter Mithilfe des Marineros – schliesslich ist das sein Job – tadellos. Heute hiess das Tagesziel Bonifacio und dessen Einfahrt wurde im Hafenführer mit „nur für starke Nerven“ beschrieben. Aber zuerst einmal genossen wir die direkte Fahrt zur französischen Insel. Wir waren froh, dass uns der achterliche Westwind schnell voran brachte, einzig die konfusen Wellen bedurften einiges an Steuerarbeit. Aus Erfahrung wussten wir, dass man in dieser engen Einfahrt, die von 50 Meter hohen Felsen gesäumt ist, trotz Platzreservierung mitunter länger warten musste und die Yacht mit Motor und Bugstrahler versucht an Ort und Stelle zu halten, während links und rechts Fähren, Ausflugsboote und „Gomminos“ (grosse übermotorisierte Schlauchboote) vorbei drängen. Aber heute hatten wir schon nach dem dritten Funkspruch Glück. Der Marinero dirigierte uns in eine recht grosse freie Lücke, nur die Leinenübernahme klappte erst beim dritten Anlauf und nur mit lautem Schreien, da es offenbar heute nicht mehr Mode ist, dass man sich in solchen kritischen Situationen gegenseitig hilft.
Martin und Monika liessen sich von der Aussicht über die Meerenge beeindrucken. Abends assen wir in einer der unzähligen Restaurants, die sich entlang der schmalen Gasse zwischen Hafen und Häusern aufreihten. Am Morgen schauten wir uns das Dutzend wunderschöner Traditionssegler an, die sich eben für eine Langstreckenregatta nach Trapani (Sizilien) bereit machten.

Ausfahrt der Traditionssegler zur Regatta
.. und die andere „Sorte“ von Yachten …

Hafenkino ist ja in so einem engen, viel befahrenen Hafen garantiert und die Schadenfreude ist manchmal nicht weit weg, wenn man unbedarften Chartersegler zusehen kann, wie sie hilflos und quertreibend versuchen in die Bootslücke zu manövrieren. Doch diesmal konnten wir einer Schweizer Männercrew zuklatschen, die mit ihrer 54 Fuss Yacht in aller Seelenruhe ihr Boot um den Anker der Nachbaryacht herumdrehten und ohne Geschrei die Mooring- und Heckleinen befestigten. Im Gespräch mit dem Skipper ergaben sich noch ein paar gute Tipps für Ankerplätze, die wir als Sardinienneulinge noch nicht entdeckt hatten.

Ankern bei 25 Knoten

Heute waren für einmal nur 15 Meilen bis zum Hauptort der Maddalenas (Cala Gavetta) geplant, so dass wir erst um elf Uhr auslaufen mussten. Kaum hatten wir die Felsnase von Bonifacio umfahren, stand eine kabbelige Welle an, die wir nur mit Vollgas überwinden konnten, bevor wir mit dem Reacher Fahrt aufnehmen konnten und Martin als Tagesskipper einigermassen ins Schwitzen brachte. Doch schon nach drei Meilen stieg der Windmesser auf Windstärke sechs hoch, so dass wir auf die kleinere Fock wechseln mussten. Ein Ankermanöver mit viel Wind schien uns geeignet um zu zeigen, wie wichtig das Einfahren des Geschirrs, die richtige Kettenlänge und die Haltekontrolle gemacht werden muss. Im Lee der Insel Spargi fanden wir eine Bucht, die wohl einigen Windschutz brachte, aber durch die vorbeifahrenden Fähren, die gefährlich nah vor unserem Bug kreuzten und so viel Wellen erzeugten, dass nicht an ein Bad zu denken war.

Der Stadthafen von Gala Gavetta. (Bild Seaways)
Ausgang in Gala Cavetta.

Der Golf von Aranchi

Bis jetzt war die Routenplanung ziemlich gut gelungen und Monika und Martin waren erfreut, dass wir mehr als erwartet unter Segel zurück legen konnten. Der Golf von Aranchi vor Olbia sollte unser letzter Anlegeplatz vor dem Endziel Olbia sein. Die Marina erwies sich jedoch als Reinfall. Die Dünung war nervig, der Marinero absolut unerfahren und von WCs oder Duschen war weit und breit nichts vorhanden. Dass das Ganze dann noch hundert Euro pro Tag kosten sollte, war des Guten zuviel. Einzig der Strand, wo wir nochmals Rahel, Matteo und Leandro trafen, die hier noch eine Hotelferienwoche verbrachten, waren das Highlight des Ortes.

Marina Golfo di Aranchi – der Eindruck täuscht!
Wir suchen einen Ankerplatz …

Doch für die letzte Nacht spielte uns das Wetter einen Streich! Aus dem Nachtplatz vor Anker in der wunderschönen Bucht vor der Insel Tavolara wurde nichts. Die Windprognosen sagten eine Starkwindfront von 30 Knoten mit Ankunft mitten in der Nacht voraus. Diese Übung, die wohl sehr lehrreich gewesen wäre – abwettern von Böen, Ankerwache im Cockpit – wollten wir uns ersparen. So blieb es dann bei einem Lunchhalt. Diese und wohl auch die nächste Nacht werden wir in der gut geschützten Marina von Olbia verbringen. Ein letztes anspruchsvolles Anlegemanöver mit viel Seitenwind und einer gefährlich vorstehenden Hafenecke bildeten den Abschluss dieses durchaus erfolg- und lehrreichen Törns. Monika und Martin konnten 184 Meilen in ihr CCS-Buch für die Erlangung des Hochseescheins schreiben und wir werden nach zwei Hafentagens wieder zurück in unseren Heimathafen Alghero segeln. Einziger Wermutstropfen: Wegen einem Dieselunfall der Marina stank es bestialisch und die drei Hafentage kosteten 600 Euro!

Törnstrecke: Alghero – Stintino (Ankern) – Castelsardo – Bonifacio – Cala Gavetta – Golfo di Aranchi – Olbia. Total: 184 Meilen

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