Törn 1 Korfu-Galaxidi-Korfu

05. – 21.05. 2026

Erste Woche

Der erste Törn der Saison war geplant bis Galaxidi mit einer zweiwöchigen Rückfahrt nach Korfu. Die erste Woche mit Edi, Dorothe und Bruno hatte es in sich und die Windprognosen waren wieder mal unzuverlässig. Wir erlebten so einiges Überraschendes und die Segelneulinge konnten vom entspannten bis zum anspruchsvollen Sturmsegeln alles kennen lernen.

Alles ist bereit – und wie!

Wir waren schon am Mittwoch 29. April angereist um vorzeitig das Schiff vorzubereiten. Routiniert schlugen am Donnerstag die Jungs von Quantum Sails die Segel an und montierten Bimini und Sprayhood mit den neuen Fenstern. Jetzt sahen wir endlich wieder klar! Leider hatte der Segelmacher die falschen Fenster am Bimini ersetzt, aber in einer Blitzaktion wurden sie am Montag gleich neu aufgenäht. Sie verlangten nicht mal etwas, obwohl der Fehler wahrscheinlich bei uns gelegen hatte. Was für eine kulante Firma!

Die Segelmacher haben die Segel professionell schnell angeschlagen.
Am Montag ist die Sarabella für die Saison bereit

First stop Paxos

Als Edi nach einem langen Flugtag am Montag eintraf, waren Dorothee und Bruno schon aufs Bordleben eingefuchst. Regel 1: Kein Papier ins WC, Regel 2: Wasser sparen. Später brachte noch Andri von Grandsea Service das wichtige Transitlog (die Segelbewilligung) und die Zollpapiere vorbei und schwupp waren schon wieder 200 Euro weg.

Am Dienstagmorgen legten wir um acht Uhr ab, nicht ohne noch die letzten Kontrollen des Winterservice durchgeführt zu haben: Navigationsinstrumente kontrollieren, Bugstrahler und Ankerwinch testen, Motor starten und WCs spülen. Aber Nikos und sein Team von Yacht Protection hatten ganze Arbeit geleistet, nur die Toiletten werden uns noch einen Strich durch die Rdchnung machen. Aber voläufig genossen wir die Leichtwindfahrt von 30 Meilen bis nach Paxos und ärgerten uns nicht mal allzu sehr, dass in Gaios die Mooringleinen immer noch fehlten. Wir zwängten uns zwischen einer netten Chartercrew und einem holländischen Katamaran rein, dessen Skipper meinte, es wäre nicht sehr sozial, wenn wir bugwärts zu ihm liegen. (!?) Als ihm zu seiner Überraschung Dorothe auf holländisch konterte, fand er doch noch ein Lob für unsere gewagten Anlegekünste. Alles war paletti, ausser dass unser WC verstopft war. Wir werden morgen in der Marina Lefkas mit den Jungs von Istion Charter überlegen, was wir machen können.

Edi, Dorothee und Bruno steuern heute zum ersten Mal
Wir passen gerade so zwischen zwei Yachten.

Die Lefkas-Brücke öffnet nur einmal um sechs Uhr abends!

Die Lefkas-Brücke öffnet nur abends wegen Flussarbeiten.

Wir wussten es: Heute wird es wenig Wind haben und es war bewölkt, so dass keine Thermik aufkam. Nach 20 Meilen unter Motor und mühsamem Seegang konnten wir wenigstens die letzten 10 Meilen mit dem Reacher zurücklegen und landeten genau 15 Minuten vor Brückenöffnung in Lefkas. Das Timing stimmte und mit einer forschen Durchfahrt mussten wir in der Marina auch nicht ewig auf die Platzzuweisung warten.

Zur Insel des Odysseus

Bevor wir in der Marina Lefkas ablegten, liessen wir noch unseren WC-Tank auspumpen. Der Techniker von Istion war sicher, dass ein Schlauch verstopft war. Wir können ihn in zwei Wochen ersetzen lassen, wenn wir zurück nach Korfu segeln werden.
Die heutige Strecke bis Ithaka begann wieder mit motoren durch den Kanal von Lefkas. Nach einer weiteren Stunde war aufkreuzen bei Leichtwind angesagt und wir gingen in der grossen Bucht in Vathi vor Anker. Wir pumpten das Dinghi auf und machten eine kurze Tour durch diesen sympathischen Ort. Das obligate Crewbild vor der Statue von Idysseus durfte natürlich nicht fehlen! Wir assen hervorragend in der Taverna „Trehanthiri

Unsere Crew vor der Statue von Odysseus
Die ausgezeichnete Taverna „Trehantiri“. Hier kocht noch die Mutter!

Messolonghi muss verdient werden!

Die Windprognose versprach SO-Wind um 5 Bf für die Morgenstunden. Wir starteten deshalb schon um acht Uhr, es standen uns rund fünzig Meilen bevor. Der Anfang mit zwei Reffs im Grosssegel lief mit wenig Welle und böigem Wind zwischen 15-20 kn recht gut, alle konnten mal eine Stunde steuern. Je näher wir dem Festland kamen, desto mehr nahm der Wind zu und wir mussten die Fock reffen, was in diesem Revier eher selten vorkommt. Um das Südkap des griechischen Festlandes (Kap Oxia) kämpften wir gegen hohe Wellen und die Sarabella knallte mehrmals heftig ins Wellental. Sogar eine Kastentür riss auf, die Scharniere brachen und alle Kleider lagen am Boden.

Die letzten zwölf Meilen motorten wir bei unangenehmen Wellen von der Seite und unstetem Leichtwind von vorne. Nach acht harten Segelstunden und 56 Meilen kamen wir um 16.30 Uhr in der Marina von Messolonghi an. Sie war zwar nicht sehr einnehmend, aber sie wird zur Zeit mächtig ausgebaut und soll dann alle Annehmlichkeiten und Serviceangebote einer richtigen Marina anbieten – eine Angelegenheit, die aus rechtlichen Gründen schon mehr als zehn Jahre dauerte. Am Abend gingen wir mit unseren höllandischen Segelfreunden Wim und Petra essen. Wir hatten es verdient!

Wir waren bereit für die ruppige Überfahrt nach Messolonghi.
Steuern bei 6 Beaufort und viel Welle war anspruchsvoll!

Leider verpassten wir das grosse Fest der 200-jähirgen Unabhängigkeit, als 1826 die Stadt von den Türken belagert worden war und ein Fluchtversuch wegen Verrats in einem blutigen Gemetzel endete und sich die letzten Einwohner kollektiv in die Luft sprengten. >mehr

Die Insel Trizonia – speziell

Am Samstag legten wir gemütlich um elf Uhr ab, da nur etwas 30 Meilen bis Trizonia vor uns lagen. Die Crew machte vorher noch einen Stadtbesuch. Wir genossen die Morgenstimmung. Der Höhepunkt war die Passage der Rion Brücke, die das Festland mit dem Peloponnes verbindet. Diese Hängebrücke gilt als technisches Meisterwerk, da die Fahrbahn aus Gründen der Erdbebensicherheit nur an den Seilen hängt. Nach der Durchfahrt nahm der Wind bis auf 31 (!) Knoten zu und wir sausten raumschots mit acht Knoten Fahrt nur unter Fock auf Trizonia zu.

Der Inselhafen ist so gut geschützt, dass wir bei 14 Knoten problemlos längsseits gehen konnten. Der Hafenmeister Thinos half uns verdankenswerter mit den Belegleinen, da sonst niemand zu sehen war. Überhaupt war der Hafen, der schon lange verwaist ist und einen maroden Eindruck mit sonderlichen Dauernliegern und Schiffsleichen macht, ziemlich leer. Die Hafengebühr war lächerlich: 10.80 Euro. Am Abend essen wir Fisch mit leckeren Vorspeisen in einer dieser sympathischen Tavernen, wo die Mutter noch selber kocht.

Die Passage unter der Rion-Brücke zwischen dem Festland und dem Peloponnes war spannend.
Der Inselhafen von Trizonia ist meistens voll belegt, doch diesen Frühling war er fast leer. (navily)
Die Marina von Messolonghi – immer noch im Umbau.
Morgenstimmung

Törnendpunkt erreicht!

Heute waren nur zwanzig Meilen Strecke angesagt, aber es wurde kein „Sonntagsfährtli“. Es hatte wieder 25-30 Knoten West-Wind aber wenig Welle. Die Prognose wäre um 20 kn (4 Bf) gewesen, aber sie lag wie gestern weit daneben (30 kn, 6) Bf. Das Steuern vor dem Wind war anspruchsvoll und verlangte volle Konzentration, aber Bruno und Edi meisterten dies sehr gut. Aus Sicherheitsgründen hatten wir den Focktraveller arretiert, damit das Vorsegel nicht rüberschlagen konnte.

Am Stadtquai von Galaxidi fanden wir einen sicheren Platz mit genügend Raum, obwohl diese Marina sehr beliebt ist und oft auch in der Nebensaison ausgebucht war. Da aber der Korinthkanal nach wie vor wegen Wartungsarbeiten geschlossen ist, herrschte keine Platznot. Wir werden hier wahrscheinlich bis Mittwoch bleiben; ein Sturmtief aus Westen kündigte sich an, was für den Rückweg und Gegenwind kein Vergnügen wäre. Morgen Montag war der Besuch der berühmten Weissagungsstätte von Delphi angesagt.

Galaxidi: Hier liegt man auch bei Sturm gut geschützt.
Am Montag blieb es noch ruhig!

Törnabschluss für Dorothe und Bruno: Delphi

Segelt man in Griechenland, darf die Kultur nicht zu kurz kommen. Schliesslich wird dieses Land als die Wiege des Westens bezeichnet und die Historie von Homer bis zu den Römern ist mehr als interessant. Delphi galt schon 400 v. Ch. im Weltbild der Griechen als Mittelpunkt und die legendenumwobenen Wahrsagungen des Orakels – eine Priesterin – die in transzententen Zustand die Zukunft deutete, hatte sicherlich die vorchristliche Geschichte geprägt. Diese Faszination hält bis heute an, obwohl man von den Tempelruinen nur noch wenig sieht. Die Vorstellungskraft war gefragt und die Erläuterungen halfen einem das Ganze zu verstehen.

In diesem Tempel sollen die Orakelsprüche stattgefunden haben.
So viel steht noch vom riesigen Apollotempel.
Unsere Crew vor dem Amphitheater.
Die ganze Stätte war riesig und wurde von Königen aus dem ganzen Mittelmeerraum besucht.

Das berümteste Orakel

„Um 500 v.Ch. prophezeite das Orakel von Delphi dem König von Theben Laios, dass sein Sohn ihn dereinst töten und seine Frau heiraten werde. Darauf ließ er dem Neugeborenen die Füße durchstechen und zusammenbinden und ihn von einem Hirten im Gebirge aussetzen. Doch der Hirte übergab das verstoßene Kind dem Königspaar von Korinth, welches es adoptierte und nach seinen geschwollenen Füßen Ödipus nannte. Als ihm ein Orakel verkündete, dass er seinen Vater töten werde, flüchtete er nach Theben und begegnete ausgerechnet seinem (unbekannten) Vater (König Laios), der Ödipus für einen Räuber hielt, worauf er seinen Vater tötete. Somit erfüllte sich eine der zwei Prophezeiungen. Anschließend gelang es Ödipus, das Rätsel der Sphinx zu lösen. Zur Belohnung wurde er als Nachfolger des Laios zum König von Theben ernannt und bekam Iokaste (seine Mutte) zur Frau. Somit erfüllte sich die zweite Prophezeiung.

Von ihrer Verwandtschaft nichts wissend, hatten die beiden in der Folgezeit vier Kinder miteinander. Als nach einigen glücklichen Jahren in Theben eine Seuche ausbrach, verkündete das Orakel von Delphi, der Mörder des Laios müsse gefunden werden. Ödipus untersuchte den Fall und fand heraus, dass er selbst der gesuchte Mörder war und seine eigene Mutter geheiratet hatte. Darauf erhängte sich seine Frau (seine Mutter) und Ödipus blendete sich.“ (Quelle: Sophokles, Oidipus Tyrannos)

Die erste Prophezeiung: Ödipus ermordet seinen Vater
Die zweite Prophezeiung: Iokaste – seine Frau, aber eigentlich seine Mutter – trennt sich von Ödipus und erhängt sich. (Bild Alexandre Cabanel)

Nach diesem Kulturtag mit seinen vielen Eindrücken nahmen Dorothe und Bruno den Bus nach Athen, wo sie noch ein paar Ferientage verbringen werden. Wir werden mit Edi in ein paar Tagen – wenn der Sturm abgeflaut ist – die Rückreise nach Korfu unter den Kiel nehmen.

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